Die leuchtenden Birnen – ein Gedicht

Das Obstjahr 2018 hat es den Redakteurenvon hofstetten.de angetan.

Heute sind die Birnen dran.

Sie schmecken nicht nur vom Baum herunter sehr lecker, man kann auch vieles mit ihnen zubereiten. Von Marmelade, Saft, Strudel, Kuchen bis hin zur „Hutzelbirne“.

Birnenschnaps ist auch nicht schlecht!

Bild links:
Ein Hofstettener Birnbaum am Abend in der blauen Stunde.. .

Die Birne ist ein Gedicht!

Herr von Ribbeck auf Ribbeck im Havelland   

Herr von Ribbeck auf Ribbeck im Havelland
Ein Birnbaum in seinem Garten stand.
Und kam die goldene Herbsteszeit
Und die Birnen leuchteten weit und breit,
Da stopfte, wenn`s Mittag vom Turme scholl,
Der von Ribbeck sich beide Taschen voll.

Und kam in Pantinen ein Junge daher,
So rief er: „Junge wiste `ne Beer?“
Und kam ein Mädel, so rief er: „Lütt Dirn,
Kumm man röver,  ick hebb  `ne Birn.“

So ging es viel Jahre, bis lobesam
Der von  Ribbeck auf Ribbeck zu sterben kam.
Er fühlte sein Ende.  `s war Herbsteszeit,
Wieder lachten die Birnen weit und breit,
Da sagte von Ribbeck: “ Ich scheide nun ab.
Legt mir ne Birne mit in das Grab.“

Und  drei Tage darauf, aus dem Doppeldachhaus,
Trugen von Ribbeck sie hinaus,
Alle Bauern und Büdner, mit Zuversicht,
Sangen: „Jesus meine Zuversicht“,
Und die Kinder klagten, das Herze schwer,
„He ist dod nu. Wer giwt uns  nu `ne Beer?“

So klagten die Kinder. Das war nicht recht,
Ach, sie kannten den alten Ribbeck schlecht,
Der neue freilich, der knausert und spart,
Hält Park und Birnbaum streng verwahrt.

Aber der alte, vorahnend schon
Und voll Mißtrauen gegen den eigenen Sohn,
Der wusste genau, was er damals tat,
Als um die Birne ins Grab er bat,
Und im dritten Jahr, aus dem stillen Haus,
Ein Birnbaumsprößling sproßt heraus.

Und die Jahre gehen wohl auf und ab,
Längst wölbt sich ein Birnbaum über dem Grab,
Und in der goldenen Herbsteszeit
Leuchtet`s  wieder weit und breit.
Und kommt ein Jung übern Kirchhof her,
So flüstert`s im Baume: „Wist `ne Beer?“
Und kommt ein Mädel, so flüstert`s: „Lütt Dirn.
Kumm man röver, ick gew di `ne Birn.“

So spendet Segen noch immer die Hand
Des von Ribbeck auf Ribbeck im Havelland.

Theodor Fontane

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