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Geschichte des Ortsadels und sein Aufstieg

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Foto"Die Herren von Hofstetten"

Wir kennen weder sein Geburtsjahr noch den Geburtsort, wir wissen nicht wann und wo er gestorben ist und wo er beigesetzt wurde. Sicher ist nur: mit Burkhard von Hofstetten tauchte 1122 nicht nur erstmals einer der Herren von Hofstetten, sondern auch zum erstenmal der Ortsname in einer Urkunde auf. Damaliger Gepflogenheit entsprechend wurden vor allem bei größeren Schenkungen auch die sogenannten Ministerialen als Zeugen geladen und ihre Namen in den Urkunden mitaufgeführt.

Burkhard von Hofstetten war zugegen, als am 19. November 1122 in Bamberg während eines Hoftages Kaiser Heinrichs V. ein personeller Tausch besiegelt wurde: ein Eichstätter Ministeriale mit dem Namen Brunward wurde Dienstmann des Bamberger Bischofs, der Bamberger Ministeriale Ramvold im Gegenzug "Eigentum" des Eichstätter Bischofs.

FotoAls Zeugen hielt die Urkunde u.a. mehrere Dutzend Ministeriale beider Parteien fest, unter ihnen auf Eichstätter Seite "Purchard de Hovestete". Die Nennung Burkhards von Hofstetten als siebter in der Reihenfolge von 17 mag ein Gradmesser für seine soziale Stellung sein. Das Original der Urkunde ist übrigens verschollen. Erhalten hat sich aber in der Staatsbibliothek Bamberg eine nur um wenige Jahrzehnte jüngere Abschrift.

Das "von" hinter Burkhard war sicher noch kein Adelsprädikat. Vielmehr war das "von Hofstetten" lediglich ein Hinweis auf seinen Besitz und seinen Wohnort. Übrigens gab es bis dahin nur Vornamen, die Familiennamen entwickelten sich erst später. Es darf vorausgesetzt werden, daß Burkhard besondere Fähigkeiten mitgebracht haben muß, um vom Eichstätter Bischof den Ort Hofstetten als Lehen erhalten und als erster Mann im Dorf eingesetzt worden zu sein.

Als Dienstmann oder Ministeriale - das Wort Minister bedeutet ursprünglich Diener - war Burkhard dem Eichstätter Bischof zu absoluter Treue verpflichtet. Das zweitemal erschien Burkhard von Hofstetten 1129 in der Gründungs-Urkunde des Klosters Plankstetten, das im Sulztal zwischen Beilngries und Berching gelegen ist und als Benediktiner-Abtei bis heute besteht.

FotoDa es noch keine verbindliche Rechtschreibung gab, da auch Namen und Ortsbezeichnungen oft nach Gehör wiedergegeben wurden, hielt der Schreiber dieser Urkunde den Hofstetter als "Purckhardus de Houestetten" fest. Burkhard von Hofstetten selbst dürfte wie die meisten Menschen damals weder lesen noch schreiben gekonnt haben. Als weitere Herren von Hofstetten sind bezeugt (in Klammern die Jahre, in denen sie in Urkunden erwähnt werden): Suicger (1144), Wicfried (1144 bis 1169), Burchard (1166 bis 1169), Radeboto (1166), Dietmar (1189), Heinrich (1189), Heinrich (1189 bis 1220), Radeboto (1191), Reinboto (1189 bis 1198), Konrad (1198), Ulrich (1209) und Konrad (1244).

Bedeutendster Hofstetter wurde Heinrich von Hofstetten. Auch von ihm ist das Geburtsjahr nicht bekannt. Zwar ist 1244 ein Heinrich von Hofstetten erstmals urkundlich faßbar, doch dürfte es sich bei ihm um den Vater oder einen nahen Verwandten handeln. Tatkräftig und vorausschauend taktierend war Heinrich von Hofstetten nicht nur ein treuer Ergebener des Eichstätter Bischofs, sondern erhielt 1270 vom mächtigen Grafen Gebhard von Hirschberg das angesehene Hofamt eines Mundschenken übertragen. Keine sechs Jahre später belehnte ihn der Bayern-Herzog Ludwig der Strenge mit der Burg Geyern bei Thalmannsfeld (Kreis Weißenburg-Gunzenhausen).

Für Heinrichs Einfluß spricht, daß er nicht nur wiederholt als Zeuge, sondern auch als Schlichter bei komplizierten Streitfällen wie beispielsweise zwischen Graf Gebhard VII. von Hirschberg und Herzog Rudolf von Bayern auftrat.

1297 wurde Heinrich Schenk von Hofstetten erster bischöflicher Burgmann in Nassenfels. Unter ihm wurden die Bischofs-Burg an der Schutter weiter ausgebaut, der 37 Meter hohe Bergfried und ein "Palas" errichtet und die Umfassungsmauern erhöht.

FotoAls Heinrich Schenk von Hofstetten um 1304 starb, hinterließ er seinen Erben umfangreiche Besitzungen und einen klingenden Titel. Denn die einstige Bezeichnung für ein Ehrenamt war Bestandteil des Namens geworden. Das Hofamt des Mundschenken selbst erlosch spätestens mit dem Aussterben der Grafen von Hirschberg im Jahre 1305. Die Nachkommen Heinrichs nannten sich künftig nach ihrer neuen Burg Schenken von Geyern.

Zielstrebig rundeten sie vor allem im 15. Jahrhundert ihr Herrschaftsgebiet durch Kauf und Heirat ab. Eine kritische Situation trat allerdings ein, als Hans Schenk von Geyern ohne männlichen Erben starb und seine Tochter Elisabeth um 1440 Georg von Ehenheim heiratete. Dadurch fielen dreiviertel aller Geyernschen Besitzungen an dieses aus dem Kreis Kitzingen (Unterfranken) stammende Geschlecht. Nur ein Drittel blieb noch in der Hand der Schenken.

Dazu kam, daß die bayerischen Herzöge die Selbständigkeit Geyerns bedrohten. Auf der Suche nach Rückendeckung gegenüber dem mächtigen Gegner knüpften die Schenken enge Kontakte zum Hochstift Eichstätt und vor allem zu den Markgrafen von Brandenburg-Ansbach. Als Herzog Ludwig der Reiche 1460 dem Markgrafen den Krieg erklärte, verwüsteten die bayerischen Truppen auch die Burg Geyern.

Wilhelm Schenk von Geyern gelang es schon wenig später, geschickt den seit der Teilung reduzierten Besitz wieder zu erweitern. 1470 kaufte er die aus dem 11. Jahrhundert stammende Wasserburg Syburg an der Anlauter-Quelle und machte sie zum neuen Sitz seiner Familie. In seiner reichsunmittelbaren Herrschaft übte er mit den Markgrafen sogar die Hochgerichtsbarkeit aus, durfte über Leben und Tod seiner Untertanen entscheiden. Seine Erben nannten sich nach weiterem Grunderwerb ab 1566 Schenken von Geyern zu Syburg und Wiesenbruck.

Ein Umbau unter Albrecht Ernst Schenk von Geyern (1669 bis 1754) machte aus der mittelalterlichen Syburg ein barockes Schloß. Die Erhebung in den Freiherrenstand erfolgte zwei Generationen später. Mit Maximilian Ernst Friedrich Wilhelm Schenk von Geyern starb das Geschlecht 1971 im Mannestamme aus. Wenige Monate vor seinem Tod verkaufte der letzte männliche Nachkomme von Heinrich Schenk von Hofstetten Schloß Syburg.

Die weitere Geschichte der in Hofstetten gebliebenen Ortsadeligen erforscht derzeit der Augsburger Archivar und Burgen-Experte Helmut Rischert. Im 14. Jahrhundert taucht wiederholt ein Ulrich von Hofstetten in Urkunden auf. Er dürfte nur noch Teilbesitzer in Hofstetten gewesen sein. Ihr Stammschloß gelangte in die Hände der Familie Erlacher und 1423 an Ulrich Hemberger aus Unterstall bei Neuburg/Donau. Seine Nachkommen verkauften das Schloß 1466 an den Eichstätter Bischof Wilhelm von Reichenau.Foto

Peter Leuschner

Nachtrag: Neueste Erkenntnisse zur Geschichte der "Hofstetter Wasserburg" lieferte am 6. Oktober 2005 dieser Zeitungsartikel, den wir hier kurz zitieren möchten.

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